Deine Wirklichkeit                                                                 Meine Wirklichkeit


Als Biologin mit Schwerpunkt Physiologie habe ich mich stark mit der Hirnforschung beschäftigt. Zum einen mit der Art und Weise, wie sich unser Denken entwickelt, wie wir lernen, das Erlernte abspeichern,  sich Gewohnheiten entwickeln und warum es so schwer ist, diese zu verändern. Zum anderen mit dem Potenzial der Neuroplastizität, die uns bis ins hohe Alter lernfähig erhält, durch die wir z.B. nach einer Gehirnverletzung Verlorenes neu erlernen, oder eingefahrene Muster  verändern können.

Jeder Mensch - oder besser dessen Gehirn - erzeugt seine eigne Wirklichkeit und diese wandelt sich, sobald dem Gehirn neue, veränderte Informationen zugeleitet werden, Ihr Gehirn, der Ort Ihres Denkens und Bewusstseins, sitzt in einer schwarzen Kapsel. Alles worauf sich sein Denken gründet, ist das Resultat der Informationen, die es über Ihre Sinnesorgane zugeliefert bekommt und die es dann miteinander verknüpft und abspeichert. z. B. wurde ein Ball für Sie erst dadurch zu einem Ball, als die Informationen Ihrer Augen mit denen Ihrer Hände und Arme und deren Tastsinneszellen und  Muskelspindeln so verknüpft wurden, dass Ihr Gehirn sie von den Informationen über eine Scheibe der gleichen Farbe und Größe auseinander halten lernte. Sie mussten die dreidimensionale Welt im wahrsten Sinn des Wortes erst "begreifen", um sie zu verstehen zu können, es hätte nicht funktioniert, wenn man Ihnen das alles nur erzählt hätte. Dass Gehirn und Körpersignale dabei zusammenwirken, können Sie ganz einfach feststellen, wenn Sie sich einmal nur auf ein Bein stellen, versuchen ganz ruhig stehen zu bleiben und dann die Augen schließen. Nun fehlt Ihrem Gehirn die optische Rückmeldung und es kann sie mit mit den Informationen der Muskeln und des Innenohrs nicht mehr abgleichen: Nach wenigen Sekunden beginnen Sie in der Regel zu schwanken und verlieren das Gleichgewicht - außer Sie haben eine sehr gute "inneren" Körperwahrnehmung.

Das bedeutet auch, dass meine Wirklichkeit nicht identisch mit Ihrer oder der Wirklichkeit eines anderen Menschen ist. Sie entsteht durch meine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse, zusammen mit meinen persönlichen Sinneseindrücken und meinen damit verbundenen Emotionen und hängt davon ab, wie mein Gehirn das alles miteinander verknüpft und abspeichert. Daher kann die Berührung oder das Sehen eines Gegenstandes bei Ihnen ganz andere Assoziationen und Reaktionen hervorrufen, als bei mir.  Aus diesem Grund ist mein Blickwinkel auf die Wirklichkeit, auf Probleme, Lebenssituationen und Herausforderungen zwangsläufig ein anderer als der Ihre und dies kann für Sie gewinnbringend sein.